Vorteile der Erdverkabelung

Erdkabelvorrang bei Hoch­spannungsgleichstrom­übertragungs-Leitungen

Erdkabelvorrang ist Grundstein für einen bürgerfreundlichen Netzausbau

Der vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie unter Beteiligung aller relevanten Akteure durchgeführte Energiedialog Bayern hat ergeben, dass der Umfang des Netzausbaus so gering wie möglich zu halten ist und seine Ausgestaltung möglichst bürgerfreundlich erfolgen soll. Dafür soll unter anderem eine Erdverkabelung der Hochspannungsgleichstromübertragungs-Leitungen (HGÜ) sorgen.

Deshalb hat sich die Bayerische Staatsregierung bei den energiepolitischen Verhandlungen auf Bundesebene am 1. Juli 2015 erfolgreich dafür eingesetzt, dass Erdkabel bei den in Bayern geplanten HGÜ-Leitungen Vorrang vor einer Freileitungsausführung erhalten. Bis dahin galt ein Vorrang für Freileitungen und Erdkabel waren die Ausnahme.

Gesetzliche Ausgestaltung garantiert Erdverkabelung

Durch die Verabschiedung des Bundesbedarfsplangesetzes (BBPlG) im Dezember 2015 ist der Erdkabelvorrang für HGÜ-Leitungen auch gesetzlich verankert worden. Dies bedeutet, dass die nach Bayern führenden HGÜ-Leitungen grundsätzlich als Erdkabel verlegt werden.
Eine Ausführung als Freileitung ist nur in sehr wenigen Ausnahmen auf technisch und wirtschaftlich effizienten Teilabschnitten möglich, wenn

  • ein Erdkabel gegen die Artenschutzbestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes verstieße und mit dem Einsatz einer Freileitung eine zumutbare Alternative gegeben ist,
  • ein Erdkabel zu erheblichen und ungerechtfertigten Beeinträchtigungen eines Natura 2000-Gebietes führen würde und mit dem Einsatz einer Freileitung eine zumutbare Alternative gegeben ist oder
  • die Leitung in oder unmittelbar neben der Trasse einer bestehenden oder bereits zugelassenen Hoch- oder Höchstspannungsfreileitung errichtet und betrieben oder geändert werden soll und der Einsatz einer Freileitung voraussichtlich keine zusätzlichen erheblichen Umweltauswirkungen (zum Beispiel durch höhere Masten) hat.

Gebietskörperschaften, auf deren Gebiet ein Trassenkorridor voraussichtlich verlaufen wird, können aufgrund örtlicher Belange verlangen, dass der Vorhabenträger prüft, inwieweit die Leitung auf Teilabschnitten in dieser Gebietskörperschaft als Freileitung errichtet werden kann.
Die Errichtung und der Betrieb einer HGÜ-Freileitung ist immer ausgeschlossen, wenn die Leitung

  • in einem Abstand von weniger als 400 Metern zu Wohngebäuden im Innenbereich oder
  • in einem Abstand von weniger als 200 Metern zu Wohngebäuden im Außenbereich errichtet werden soll.

Ausgewählte Technologien und Durchführung der Bauarbeiten

Die Erdverlegung von Stromleitungen erfolgt in der Regel in offener Bauweise (Verlegung im Graben, der anschließend wieder gefüllt wird). Möglich ist aber auch eine geschlossene Bauweise mittels Tunnelbohrung.

Beispielhafter Bauablauf bei offener Bauweise:

In der offenen Bauweise werden Gräben ausgehoben und die Kabel hineingelegt. Dabei können die Kabel entweder als Kabel in einen Graben gelegt oder auf zwei Gräben aufgeteilt werden.

  • Bild: Oberboden abziehen
  • Bild: Unterboden ausheben
  • Bild:Kabelzug
  • Bild: Schutzplatten
  • Bild: Rekultivierung
  • Bild: Kabelgraben im Betrieb


Bildergalerie zu ausgewählten Teilschritten bei der offenen Bauweise

Beispielhafter Bauablauf bei geschlossener Bauweise:

Die geschlossene Bauweise kommt in Betracht, wenn andere Infrastrukturen untertunnelt werden müssen oder wenn sensible Bereiche gequert werden müssen. 

Zunächst wird eine Bohrung vorgenommen und anschließend das Kabel durch ein Rohr eingezogen.

Bohrung

Für jedes der vier Kabel wird eine Bohrung vorgenommen und das Kabel anschließend durch ein Rohr eingezogen.

1. Vorbohrung
2. Aufweitung und Rohreinzug
3. Kabeleinzug

Übertragungstechnologien

Masseimprägniertes Kabel (MI-Kabel)

Kabel aus vernetztem Polyethylen (VPE-Kabel)

Für die Umsetzung stehen verschiedene Übertragungs­technologien zur Verfügung: masseimprägnierte Erdkabel sowie Kabel aus vernetztem Polyethylen (VPE-Kabel). Theoretisch denkbar sind auch gasisolierte Leiter (GIL), die jedoch bisher noch weniger erforscht sind.

Welche Bauweise und welche Technologie im Einzelfall bei den HGÜ in Bayern angewendet wird, muss letztendlich in Abhängigkeit der Verhältnisse vor Ort unter Abwägung von technischen, wirtschaftlichen und umweltfachlichen Gesichtspunkten entschieden werden.

Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie setzt sich dafür ein, dass zukunftsfähige Lösungen Anwendung finden und innovative Technologien bayerischer Unternehmen berücksichtigt werden.

Auswirkungen der Bauarbeiten und Nutzung nach der Fertigstellung

Bei einer Verlegung von zwei Kabeln pro Graben beträgt die endgültige Trassenbreite mit heute bekannter Technik für eine HGÜ-Leitung mit 2 GW Übertragungsleistung circa 10 bis 15 Meter und die Verlegetiefe ca. 1,5 bis 2 Meter. Während der Bauphase wird ein Streifen von insgesamt circa 20 bis 40 Meter Breite benötigt. Wie bei anderen Erdbauarbeiten auch (zum Beispiel Gasleitungen) muss bei Aushub und Wiederverfüllung der Gräben sichergestellt werden, dass die ursprünglich vorliegende Schichtung nach Abschluss der Bauarbeiten wiederhergestellt wird. Darüber hinaus setzt sich das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie für eine restriktive bodenkundliche Baubegleitung ein, um nachhaltige Bodenbeschädigungen während der Bauphase von vornherein zu vermeiden.

Die Trasse muss dauerhaft von tiefwurzelnden Pflanzen freigehalten werden, kann jedoch nach Fertigstellung der Baumaßnahme wieder begrünt oder landwirtschaftlich genutzt werden, sodass die Trasse, ähnlich wie bei Gasleitungen, in der Folge über weite Strecken (unter anderem Brachflächen, landwirtschaftliche Nutzflächen) nicht mehr sichtbar sein wird (siehe Beispielbilder im folgenden).

Erdgasleitung Sannerz – Rimpar, Fertigstellung Ende 2012, Foto September 2016
Verlauf Erdgasleitung Sannerz – Rimpar (gelbe Linie)


Schematische Darstellungen einer möglichen HGÜ-Erdkabeltrasse in der Bau- und in der Betriebsphase

Bauphase

Betriebsphase

Übertragungskapazität 2 Gigawat (GW)

Die bestehenden und geplanten HGÜ-Verbindungen haben unterschiedliche Anforderungen: Bei der Anbindung von Offshore-Windparks wird für die Übertragungskapazität von bis zu 900 MW ein Kabelsystem mit zwei Kabeln benötigt. Dies wird in einem Kabelgraben verlegt. Für größere Übertragungsleistungen von zwei oder vier GW, also 2.000 MW oder 4.000 MW, werden mehrere Kabelsysteme und dementsprechend mehrere Kabelgräben benötigt. Je nach Spannungsebene und Kabeltyp kann die Anzahl der einzelnen Kabestränge variieren. Folglich auch die Anzahl der Kabelgräben und somit auch die Breite der Trasse in der Bau- und Betriebsphase.

Erdkabelvorrang – ein guter Kompromiss im Sinne der Energiewende

Auch wenn bei der Erdverkabelung von Mehrkosten gegenüber einer Freileitungsausführung ausgegangen werden muss, stellt der beschlossene Erdkabelvorrang für die HGÜ-Verbindungen einen guten Kompromiss dar. Denn er garantiert eine bürgerfreundliche und landschaftsverträgliche Umsetzung, trägt zur Akzeptanz bei der Bevölkerung und damit auch zur Beschleunigung des zwingend erforderlichen Netzausbaus bei.

Der Erdkabelvorrang der HGÜ-Leitungen bildet somit die Grundlage, um auch in Zukunft eine sichere, saubere und bezahlbare Stromversorgung zu gewährleisten.

Weitere Informationen zu HGÜ-Erdkabeln finden Sie in diesem Informationsflyer sowie auf der Internetseite des Vorhabenträgers TenneT TSO GmbH unter diesem Link.