Erdkabel

Hier finden Sie Informationen zu den Vorteilen sowie zum gesetzlichen Vorrang der Erdverkabelung bei Hochspannungsgleichstrom­über­tra­­gungs(HGÜ)-Leitungen. Wir erklären, wie die Bauarbeiten er­fol­gen, wovon die Trassenbreite abhängt und wie die Fläche oberhalb einer Erd­kabel­lei­tung anschließend genutzt werden kann. Außerdem erfahren Sie, wa­rum bei Wechselstromleitungen im Übertragungsnetz die Erdverka­be­lung dagegen die Ausnahme ist.

Bürgerfreundlicher Netzausbau durch Erdkabelvorrang bei HGÜ-Leitungen

Die Bayerische Staatsregierung hat sich bei den energiepolitischen Ver­hand­lungen auf Bundesebene erfolgreich dafür eingesetzt, dass die in Bayern ge­planten HGÜ-Leitungen vorrangig als Erdkabel ausgeführt werden. Bis dahin galt ein Vorrang für Freileitungen und Erdkabel waren die Ausnahme.

Durch die Umsetzung als Erdkabel sind die Leitungen fast nicht mehr in der Landschaft sichtbar. Somit ist diese Bauweise besonders bürgerfreundlich und trägt zur Akzeptanz in der Bevölkerung und damit auch zur Beschleunigung des zwingend erforderlichen Netzausbaus bei. Gute Gründe, um die Mehr­kos­ten gegenüber einer Freileitungsausführung in Kauf zu nehmen.

Bundesbedarfsplangesetz als gesetzliche Grundlage der Erdverkabelung bei HGÜ-Leitungen

Im Bundesbedarfsplangesetzes (BBPlG) vom De­zem­ber 2015 hat der Gesetz­geber den Erdkabelvorrang für HGÜ-Leitungen rechtlich verankert. Die nach Bayern führenden HGÜ-Lei­tun­gen müssen daher grundsätzlich als Erdkabel verlegt werden.

Eine Ausführung als Freileitung ist nur in sehr wenigen Ausnahmen auf technisch und wirtschaftlich effizienten Teilabschnitten möglich, nämlich dann, wenn…

  • ein Erdkabel gegen die Artenschutzbestimmungen des Bundes­natur­schutz­gesetzes verstieße und mit dem Einsatz einer Freileitung eine zumutbare Alternative gegeben ist,

  • ein Erdkabel zu erheblichen und ungerechtfertigten Beeinträchtigungen eines Natura 2000-Gebietes führen würde und mit dem Einsatz einer Freileitung eine zumutbare Alternative gegeben ist,

  • eine Bündelung mit bestehenden Freileitungen ohne zusätzliche erhebliche Umweltauswirkungen erfolgen kann, oder

  • wenn eine Gebietskörperschaft, auf deren Gebiet ein Leitungskorridor voraussichtlich verlaufen wird, aufgrund örtlicher Belange eine Freileitung beantragt.   

Eine Ausführung als Freileitung ist immer ausgeschlossen, wenn die Leitung…

  • in einem Abstand von weniger als 400 Metern zu Wohngebäuden im Innenbereich oder

  • in einem Abstand von weniger als 200 Metern zu Wohngebäuden im Außenbereich errichtet werden soll.

Oder anders gesagt: Eine HGÜ-Freileitung muss immer einen Mindest­abstand von 200 Metern (im Außenbereich) bzw. 400 Metern (im Innenbereich) zu Wohngebäuden haben.

Durchführung der Bauarbeiten

Für die Erdverlegung von Stromleitungen gibt es zwei Möglichkeiten: 

  • Die geschlossene Bauweise kommt in Betracht, wenn andere Infra­struk­turen untertunnelt oder sensible Bereiche, wie zum Beispiel Gewässer, ge­quert werden müssen. Zunächst wird für jedes Kabel unterhalb der Infra­struk­tur oder des sensiblen Bereichs eine Bohrung vorgenommen. Dann wird ein Rohr eingezogen und das Erdkabel in das Rohr einge­führt.  

  • Bei der häufigeren offenen Bauweise werden Gräben ausgehoben und die Kabel in eine sogenannte thermische Bettung, zum Beispiel ein Sand­bett, hineingelegt. Oberhalb der Kabel werden Abdeckplatten und ein Warn­band verlegt. Beim Aushub und bei der Wiederverfüllung der Gräben wird sichergestellt, dass die ursprünglich vorliegende Schichtung nach Abschluss der Bauarbeiten wiederhergestellt wird.
  • Offene Bauweise: Abtrag des Mutterbodens
    Offene Bauweise: Abtrag des Mutterbodens
  • Offene Bauweise: Aushub des Kabelgrabens
    Offene Bauweise: Aushub des Kabelgrabens
  • Offene Bauweise: Erdkabeltrommel
    Offene Bauweise: Erdkabeltrommel
  • Offene Bauweise: Kabelgraben mit Sandbett und Abdeckplatten
    Offene Bauweise: Kabelgraben mit Sandbett und Abdeckplatten
  • Offene Bauweise: Rekultivierung
    Offene Bauweise: Rekultivierung
  • Offene Bauweise: Wiederbewirtschaftung nach Bauabschluss
    Offene Bauweise: Wiederbewirtschaftung nach Bauabschluss

Trassenbreite in der Bau- und Betriebsphase

Die Trassenbreite variiert je nachdem, wie viele Kabel und Kabelgräben nötig sind, um die gewünschte Übertragungsleistung zu erzielen.  

Mehrere Kabel in einem Kabelgraben zu verlegen hat den Vorteil, dass der not­wendige Aushub geringer ist, als wenn man für jedes Kabel einen eigenen Gra­ben anlegt. Allerdings erzeugt jedes Kabel Wärme, die im Boden abgeleitet wer­­­­den muss. Um eine zu starke Erhitzung des Bodens zu vermeiden, ist daher die Anzahl der möglichen Kabel in einem Kabelgraben begrenzt. 

Die folgenden Abbildungen zeigen beispielhaft mögliche Abmessungen für eine 2-Gigawatt-HGÜ-Leitung (wie z. B. SuedOstLink) bei offener Bauweise: 

  • Es werden zwei Kabelgräben im Abstand von ca. 5 bis 8 Metern neben­ei­nan­der angelegt. In jedem Graben liegen zwei Kabel in einem Abstand von ca. 0,7 bis 1 Meter und in einer Tiefe von etwa 1,5 bis 2 Metern. In der Bau­phase benötigt man einen Streifen zwischen 25 und 40 Metern Breite. Dieser um­fasst die beiden Kabelgräben, die Baustraße sowie Fläche zur Lagerung des Bodenaushubs.
  • Im Betrieb ist es nur noch ein 10 bis 15 Meter breiter Streifen, auf dem die Grund­stücks­besitzer besondere Nutzungsvorschriften einhalten müssen.
Die Grafik zeigt in einem schematischen Schnitt die Bauphase einer 2 Gigawatt-Leitung, wie beispielsweise SuedOstLink, mit den Abmessungen, die im Text zuvor erläutert wurden.
Eine 2 Gigawatt-Leitung (wie z. B. SuedOstLink) im Bau
Zu sehen ist der gleiche Ausschnitt wie in der Abbildung davor, jedoch nach Bauabschluss. Oberhalb der Gräben muss ein 10 bis 15 Meter breiter Streifen frei von tiefwurzelnden Pflanzen gehalten werden. Landwirtschaftliche Nutzung, z. B. Maisanbau, ist aber möglich.
Eine 2 Gigawatt-Leitung (wie z. B. SuedOstLink) im Betrieb

 

 

Nutzung der Fläche nach Bauabschluss

Die Fläche oberhalb der Erdkabelleitungen kann nach Abschluss der Bau­maß­nahme wieder begrünt oder landwirtschaftlich genutzt werden. So wird die Trasse – ähnlich wie bei Gasleitungen – über weite Strecken schon bald nicht mehr sicht­bar sein, wie Sie auf untenstehenden Beispielbildern für eine Gas­leitung sehen können. Tiefwurzelnde Pflanzen oder Bäume dürfen jedoch nicht auf der Trasse gepflanzt werden.

Das Foto zeigt eine kleinteilige, landwirtschaftlich genutzte Landschaft mit einzelnen Häusern.  Die Bildunterschrift weist darauf hin, dass unterirdisch die Erdgasleitung Sannerz-Rampar verläuft. Das Foto wurde vier Jahre nach Fertigstellung der Leitung aufgenommen. Von der Leitung ist in der Landschaft nichts zu erkennen.
Erdgasleitung Sannerz – Rimpar, vier Jahre nach Fertigstellung: Der Verlauf der Leitung ist in der Landschaft nicht zu sehen.
Das Foto zeigt den gleichen landschaftlichen Ausschnitt wie das vorige Foto. Mit einer gelben Linie ist markiert, wo die Erdgasleitung unterirdisch verläuft.
Die gelbe Linie zeigt an, wo die Erdgas­leitung Sannerz – Rimpar unter­ir­disch verläuft.

 

 

Erdverkabelung bei Wechselstromleitungen im Übertragungsnetz

Die Grafik zeigt den Aufbau des deutschen Stromnetzes. Es gliedert sich in der Übertragungsnetz und das Verteilnetz und umfasst mehrere Spannungsebenen.

Das Übertragungsnetz in Deutschland besteht ne­ben wenigen HGÜ-Lei­tun­gen vor allem aus einer Viel­zahl von Wech­sel­­strom­­lei­tun­gen. Sie bil­den eine Art Ma­schen­­netz über Deutsch­land und trans­­por­­tie­ren den Strom auf der Höchst­­­span­­nungs­­­ebe­ne (380 bzw. 220 Kilovolt) zwi­schen den so­ge­nann­ten Über­tra­gungs­netz-Knoten­punkten. Von dort wird der Strom über die Verteil­netz­ebene (110 Kilovolt abwärts) zu den Ver­brau­chern weitergeleitet.

Wechselstromleitungen im Übertragungsnetz werden normalerweise als Frei­leitung ausgeführt. Eine Erdverkabelung ist hier aus physikalischen Gründen deutlich schwieriger umzuset­zen als bei den HGÜ-Leitungen sowie auf Verteil­netzebene: So erhöht die Erd­verkabelung im Wechselstrom-Übertragungsnetz zum Beispiel den Blind­leis­tungs­bedarf und kann sich negativ auf die Netz­sicher­heit auswirken. Des­halb ist im Wechselstrom-Übertragungs­netz generell eine Erdverkabelung nur auf einigen Kilometern denkbar, jedoch nicht über wei­te Strecken.

Bisher gibt es nur wenige Erfahrungen mit dem Betrieb von Erdkabeln im Wechselstrom-Übertragungsnetz sowie ihrem Systemverhalten. Daher hat der Bundesgesetzgeber ausgewählte Netzausbaumaßnahmen in Deutschland als Pilotprojekte festgelegt, bei denen – und nur bei denen – in den kommenden Jahren eine abschnittsweise Erdverkabelung zur Erprobung der Technologie möglich ist. Mit den Pilotprojekten sollen Langzeiterfahrungen gesammelt und Erkenntnisse zu den oben genann­ten technischen Herausforderungen gewon­nen werden. Keines der aktuell in Bayern geplanten Netzausbauprojekte ist als ein solches Pilotprojekt gekenn­zeichnet.

Grundsätzlich sollte auch bei diesen Pilotprojekten beachtet werden, dass am Anfang und am Ende jedes Erdkabelabschnittes raumeinnehmende und deut­lich sichtbare Übergabeanlagen erforderlich sind. Diese Anlagen können mit ihrer Größe eines Fußballfeldes die Vorteile einer Erdverkabelung für das Land­schaftsbild im Einzelfall relativieren.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema Erdkabel finden Sie beim Übertragungsnetz­betreiber TenneT.